Nachruf Mandela

Nachruf Mandela….

Nelson Rolihlahla Mandela
18. Juli 1918 – 5. Dezember 2013

Friedensnobelpreisträger, Menschenrechtler, Versöhner

Am Ast eines Baumes rüttelnd“ – so wurde Mandelas zweiter Vorname Rolihlahla übersetzt und bedeutete so viel wie „Unruhestifter“. Seinem Geburtsnamen blieb Mandela treu, als es zum Kampf um Menschenrechte und Gleichberechtigung kam. Am 5. Dezember 2013 verlor eine Nation ihren Vater, als dieser 95-jährig in Pretoria verstarb. In seiner Biografie beschrieb Mandela seinen „langen Weg zur Freiheit“.

1918 in einem kleinen Dorf in der Transkei geboren, wächst Rolihlahla Mandela als Sohn der Thembu-Königsfamilie auf. Seine Kindheit ist bestimmt von den Riten seines Stammes, der Xhosa. Mandelas Biografie zufolge ist es eine unbeschwerte, naturverbundene Kindheit gewesen. Wenn er nicht mit seinen Freunden spielt, hütet er das Vieh im Dorf Qunu. Im Alter von sieben kommt Rolihlahla Mandela auf eine Methodistenschule, wo er auch den englischen Vornamen Nelson erhält. Zwei Jahre später stirbt sein Vater und Nelson wird von Jongintaba, dem Oberhaupt der Thembu, und dessen Frau adoptiert.

Ab 1939 besucht Nelson Mandela die Missionsschule Fort Hare. Zur Zeit einer weissen Minderheitsregierung fungiert das College als Hochburg des schwarzen Widerstands. Hier trifft Mandela auf seinen späteren Mitstreiter im Kampf gegen die Apartheid, Oliver Tambo. Von der weissen Vormachtstellung sind auch seine Studienfächer geprägt, unter anderem: „Eingeborenenverwaltung“. Während seines Studiums wird Mandela zum ersten Mal politisch aktiv. Er protestiert gegen die miserablen Bedingungen am Campus. Der Streit droht zu eskalieren und die Uni-Verwaltung will ihn verweisen. Mandelas Kampfgeist scheint ungebrochen, aber dann kommt alles anders als erwartet: Sein Adoptivvater eröffnet ihm, dass er eine Heirat für Nelson arrangiert habe. Mandela flüchtet nach Johannesburg.

Der Umstieg vom Dorfleben zu einem Alltag in der Großstadt fällt Nelson Mandela schwer. Dennoch beginnt er ein Jurastudium und lernt bald seinen späteren Parteikollegen, Walter Sisulu, kennen. Mit ihm zusammen setzt sich Mandela nun offen gegen die weisse Übermacht ein. 1942 tritt er dem African National Congress (ANC) bei und gründet zwei Jahre später, zusammen mit Walter Sisulu und Oliver Tambo, die ANC-Jugendliga. Mandela heiratet zum ersten Mal. Aus der Ehe mit Evelyn Ntoko Mase sollen später sechs Kinder hervorgehen.

1948 kommt die National Party (NP) an die Macht und die Apartheid wird zur offiziellen Regierungsagenda. Die nächsten Jahre sind gezeichnet von gewaltsamer Unterdrückung. Mandela gelingt es dennoch, zusammen mit Tambo, die erste schwarze Anwaltskanzlei ins Leben zu rufen. Er entwickelt den Mandela-Plan, wonach auch die schwarze Bevölkerung Zugang zu Bildung und Politik haben soll. 1956 wird er deshalb mit 150 Mitstreitern des Landesverrats angeklagt. Wenngleich er nach fünf Jahren freigesprochen werden sollte, überlebt seine Ehe den Prozess nicht. Er wird geschieden, heiratet als freier Mann aber bald Winnie Madikizela, die ihm zwei Kinder schenkt.

Am 21. März 1960 erschiesst die Polizei beim „Massaker von Sharpeville“ 96 friedliche Demonstranten. Der ANC nimmt den bewaffneten Kampf auf und wird von der Regierung gebannt. Für Mandela beginnt eine wenig ruhmreiche Zeit, die ihm später als linken Aktivisten einen Platz auf der Terrorliste der US-Regierung sichert. Er führt fortan den „Speer der Nation“, den bewaffneten Flügel der ANC-Jugendliga. Er trifft seine sozialistischen „Kampfbrüder“ Fidel Castro und Muammar al-Gaddafi. 1962 wird er aufgegriffen und wegen illegaler Reisen ins Ausland zu fünf Jahren und wegen Sabotage schliesslich zu lebenslanger Haft verurteilt.

27 Jahre bleibt Mandela im Gefängnis. Die längste Zeit verbringt er auf der Gefängnisinsel Robben Island, wo er sich mit Tuberkulose infiziert. Ende der 80er wächst aber der internationale Druck auf das Apartheid-Regime. Westliche Entwicklungsorganisationen rufen zum Boykott südafrikanischen Obstes auf. 1990 erkennt Präsident Frederik de Klerk, dass die weisse Vormachtstellung keine Zukunft hat. Er legalisiert den ANC und begnadigt Mandela.

Mandela dürstet es nach knapp drei Dekaden Haft aber nicht nach Rache, sondern Versöhnung. 1994 wird er Südafrikas erster schwarzer Präsident und gründet die Wahrheits- und Versöhnungskommission. Für die Verbrüderung von Schwarz und Weiss als eine Nation, erhält Mandela den Friedensnobelpreis, einen Orden von Queen Elizabeth II., die Freiheitsmedaille von George W. Bush und Dutzende weitere Auszeichnungen. 1997 verzichtet er auf eine zweite Amtszeit und tritt von der politischen Bühne ab. Er heiratet ein letztes Mal – seine jetzige Witwe Graça Machel. Die Nelson Mandela-Stiftung wird gegründet, um sein Lebenswerk fortzusetzen. Doch die Auftritte des Nationalhelden werden seltener, seine Gesundheit schwindet sichtbar. Zuletzt erscheint Mandela beim Finalspiel der Fußball-WM 2010 in Johannesburg. Danach lebt er zurückgezogen in Qunu, dem Ort seiner Kindheit